cimer_batthyany1.jpg (96549 byte) Ungarische Maler unter italienischem Einfluss

 

Der italienische Einfluss auf die ungarische Malerei macht sich in größerem Maße vom Mittelalter an bemerkbar, vor allem vom Erscheinen der Renaissance an. Dafür ist der Kalvarien-Altar von Tamás Kolozsvári aus dem Jahre 1427 ein Beispiel. Der Kalvarienaltar von des Meisters wurd im Zeichen des italienischen Trecento geschaffen, aber die sich mit Kunstgeschichte befassenden Forscher stellten bei französischen, österreichischen und tschechischen Malern verwandte Züge fest. Das zeigt, dass nicht nur das Italienische der allein bestimmende Stil war. Zu dieser zeit war es keine Seltenheit, das ein und derselbe Maler Kodexbilder und große Altarflügel schuf.

Die zuvor schon erwähnte Kodexmalerei entwickelte sich unter König Matthia (1458-1490). Nach der Heirat mit Beatrix wurden der italienische Einfluss noch größer. In unserer Heimat ist dieser Einfluss vor allem in den Kodexen der von Matthias gegründeten Bibliotheka Corviniana zu finden. Matthias hatte zwar schon eine Druckerei, aber mit dem Druck konnte man noch keine shönen Bücher anfertigen, deshalb ließ man von italienischen und ungarischen Wissenschaftlern, die griechisch und latein verstanden, Kodexe kopieren. Diese wurden größtenteils in italienischen Werkstätten in Napel, Rom, Florenz hergestellt, am bedeutendsten war das florentinische Attavante.

Nach 1500 kamen in unserer Heimat die Malerschulen der Donau zur Geltung. Eine herausragende Malerpersönlichkeit war der Meister M.S. , der den Flügelaltar in der Pfarrkirche von Selmecebánya gemalt hat. Es ist nur seine Signatur bekannt, Quellen sprechen nicht über ihn, aber er ist einer derbedeutendsten Maler Ungarns im späten Mittelalter. Der italienische Einfluss zeigt sich in der Ausarbeitung der Kompostion und der Einzelheiten.

Im 16. und 17. Jahrhundert stand der westliche Teil des Landes mit der österreichischen und italienischen Kultur in Verbindung. In Italien bekam die Wandmalerei die Hauptrolle, die in Ungarn unter anderem von Franz Anton Maulbertsch (1724-1769) vertreten wurde. Er war zwar österreichischer Abstammung, arbeitete aber in Ungarn. Die Spuren seiner Arbeit sind heute noch auf den Fresken in Köszeg und Sümeg zu sehen. Maulbertsch muss deshalb erwähnt werden, weil er den Italiener Giovanni Battist Tiepolo nachahmte. Auch tiepolo machte Fresken und Altarbilder für Kirchen, Paläste und Schlösser.. Beide gehören zu den besten Freskenmalern des Barock in Europa. Die im 19. Jahrhundert im Ausland bekannten ungarischen Maler waren nicht um eine Abgrenzung bemüht, sie wählten nur gelegentlich sich auf Ungarn beziehende Themen. So ist es auch mit Károly Markó, d.Ä., der sich in Italien niederließ, da nach Studien in Wien und Italien von 1828-30 das erste monumentale Landscgaftbild”Visegrad” malte und wegen der gesicherteren Existenz Italien wählte. Für seine Malerei waren in die Landschaft gesetze mytlogische, biblische und italienische Lebensbilder charakteristisch.

Miklós Barabás lernte in Nagyszeben, Wien und Italien. Bei seiner ersten Vorstellung 1834 hat er im Nationalcasino ein Bild mit mythologischen Thema ausgestellt „ Der Raub Europas”, das er nach dem italienischen Maler Paolo Veronese kopiert hat.

Antal Ligeti bertrat in den Jahren um 1850 in Folge der Wirkung der unmittelbaren Elebnisse seiner Wanderungen in Italien und den östlichen Gegenden den nostalgischen, klassiszistisch –romatischen Stil. Ab 1850 wurde die Wiener Malerschule von dem in Rom lebenden Carl Rahl geleitet, der mittelbar die italienischen Merkmale in die ungarische Kunst der 50-er und 60-er Jahre einbrachte.Unter vielen ungarischen Schülern sollen Mór Than und Károly Lotz besonders erwähnt werden. Rahl rief zum Ausmalen des Todesco-Palastes mit Fresken aus Ungarn Károly Lotz zur Hilfe. Die Serie „Das Pariser Leben” zeigt vor allem die Wirkung von Tiziano und Michelangelo.

Mór Thans „ Das Treffen von Fee Ilona mit ihrem Geliebten” im Treppenhaus des Vigadó lässt die Inspiration durch Raffaello- Figuren spüren.

Antal Haan und Ferenc Szoldatics wählten Italien zu ihrer endgültigen Heimat, hierher kehrten auch Mór Than und Károly Telepy nach ihrer Arbeit in Ungarn zurück. Károly Telepy lernte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in München und Venedig und verbrachtete mehrere Jahre in Rom . In Ungarn wurden ihre Landschaftsbilder nach 1861 sehr geschätzt.

Ab 1929 arbeitete die sogenannte römische Schule im Palazzo Falconieri, dh. im Gebäude des Ungarischen Instituts. Hier arbeiteten jährlich 8-10 ungarische Maler und Bildhauer als Stpendiaten. ( István Szőnyi, Vilmos Aba Novák, Pál Pátzay, Károly Patkó, C.Pál Molnár, Jenő Medveczky, Tibor Vilt, Károly Antal, Béla Kontuly, Gyula Hincz usw.)

Mit diesen Künstlern bildete Tibor Gerevich die römische Schule und unter diesem Namen veranstaltete er eine Ausstellung mit seinen Werken im National-Salon. Nach seinen Vorstellungen hätte sich die Schule parallel zu dem in Italien zu dieser Zeit modernen Novecento-Neu-Klassizizismus entwickelt.

Auch in unseren Tagen sind die ungarisch-italienischen Beziehungen nicht abgebrochen. Im Juli 2002 hat Ferenc Mádl in Rom das Jahr der Ungarischen Kultur eröffnet, dass in ganz Italien bis zum Ende dieses Jahre dauert. Hier gibt es auch mehrere malerische Bezüge, z.B. die schon errwähnte Corvina-Kodex-Ausstellung.