Ungarische Künstler in Italien
Italien ist neben Griechenland die Wiege der westleichen Zivilisation und eines der wichtigsten Zentren der europäischen Kultur. Eahrscheinlich gibt es keine Nation, auf deren Kunst die italienische, vor allem die römische Kultur nicht gewirkt hätte.
Vom Mittelalter an sind sehr viele Studenten nach Italien an die verschiedenen Universitäten gegangen, wo sie die sieben freien Künste erlernten und später ihre Studien an medizinischen oder kirchenrechtlichen Fakultäten fortsetzen konnten.
Die italienische Kultur hatte große Wirkung auch auf die ungarische Literatur. Unser erster großer Dichter Janus Pannonius (1434-1472) hat auch in Italien studiert. Er hat fast acht Jahre lang die berühmteste humanistische Schule von Guarino da Verona in Ferrara besucht, dann hat er vier Jahre lang in Padova Kirchenrecht studiert.
Er hat Guarino da Verona ein würdiges Denkmal in einem Panegiricus mit 1073 Hexameter gesetzt, das eine rühmende Dichtung mit großem Umfang ist.
,,Ac viridi in ripa centum sublime columnis
Constituam templum, media, Guarine, Sedebis
Aureus in camera picto super Iridis aran,
Insistens Lunam, radiis et solis amictus.
…
Omnis ibi Europae sacris operata inventus
Suspendet tibi dona tholo, certabit et omnis
Non caestu crudo pubes nitidave palaestra,
Sed fidibus tentis et suave crebantibus hymnus."
Auch die größte ungarische Gestalt des Barockstils, Miklós Zrínyi (1620-1664), hat längere Zeit in Italien verbracht. Er hat dort im Jahre 1636 eine acht Monate lange Studienreise gemacht, und er war in Rom, in Neapel, in Florenz und in Veredig,
Das berühmteste Werk von Zrínyi ist ,,Die Gefahr von Sziget". Das ist ein Epos, als Anlass hat die Aeneis von Vergilius gedient. Zrínyi hat die klassischen epischen Anforderungen beibehalten, und er hat die ersten fünf Zeilen fast wortwörtlich entnommen.
,,Veränderliche, uralte, heilige Gemeinde;
Urbs, du gibst mir der Vergessenheit,
Meine Seele und mein Körper kommen
Raus aus der Holle meins Los;
Du bist die Heilige, der Beschützer, das Dach."
Die zeitgenössischen italienischen Verfasser, zum Beispiel Edmondo de Amicis, haben auch auf Zsigmond Mórisz gewirkt.
Zsigmond Móricz (1879-1942) war der wichtigste ungarische Schriftsteller des Zeitalter. Er ist oft nach Italien gefahren. Im Jahre1913 war er zum ersten Mal in Norditalien, unter anderem in Venedig, in Verona, am Garda-See. Diese italienische Reise hat auf ihn und seine Ehe eine gute Wirkung gehabt. Er ist glücklich und zufriedlich heimgekehrt, und das Verhältnis zu seiner Frau hat sich verbessert.
Der andere hervorragende Lyriker der Zeitalters –neben Ady- war Mihály Babits. Die italienische Kultur hat nicht nur auf sein Leben, sondern auch auf seine Kunst gewirkt. Bevor er nach Fogaras verbannt worden ist –darüber hat er so geschrieben: ,,Ich fühle mich wie Ovidius, als er sich in Taui bereitgemacht hat"- hat er im Jahre 1908 eine Reise nach Italien gemacht, und er hat viele Neuigkeiten erfahren. Auf Grund seiner Reiseerlebnisse hat er angefangen, sich für Divina Comedia zu interressieren, diese hat er von1913 bis 1923 übersetzt. Im Jahre 1909 war er in Weapee, im Jahre 1910 hat er noch eine Reise nach Italien gemacht. Im Jahre 1921 hat er geheiratet, sie haben Flitterwochen in Venedig und Florenz verbracht. Im Jahre 1940 hat er in San Reno die Auszeichnung das italienischen Staats, den San Remo Preis für seiner Dante-Übersetzung bekommen.
Dezső Kosztolányi ist der Vertreter des ersten großen Geschlechts des Westens. Er ist viel gereist, er war unter anderen in Rom. Die römische Geschichte und Literatur erscheinen in seinen Themen (zum Beispiel Nero, der blutrünstig Dichter). Er stellt seine Ars poetica, sein poetische Ideale durch die Skulptur eines italienischen Herrschers dar:
,,…und du reitest noch oben auf der
uralten Spitze des Capitoliums,
Marcus Aurelius.
Cäsar mit Bronzekopf
Und mit dem Goldbart;
Du wachst über uns mit deinen
Blindstrahlenden Skulpturaugen.
Ish stehe vor dir still.”
(Marcus Aurelius)
Die italienische Kultur hat hauptsächlich auf die Schöpfer in der zweiten Hälfte des XX. Jahrhunderts gewirkt. Sándor Márai, der hat im Jahre 1948 emigrierte, ragt unter allen heraus. Er ist laufend in die europäischen Lánder, zum Beispiel nach Italien gereist.
,,1952
Ich habe kalte Abende in Rom. Diese heimtükische, duckmäuserische italienische Kälte schmerzt mich mehr, als die freimütig grimmige ungarische Kälte. Man kam die römischen Dächer von dem Fenster der fünfstöckigen Pension sehen…
… und danach kann man die Kupel von der San Pietro Basilika sehen. Diese Kupel glänzt in dem glühenden Schein des römischen Morgens. An jeden Morgen und Abend sehe ich dieses Bild. Und allemal fühle ich so, als ob ich die Kuppel einer Gruft sähe. Vielleicht hat Gide recht behalten: ,,Der Gott wird jetzt geboren.”
Tibor Déry, der Meister der modern ungarischen Prosa, ist oft nach Italien gefahren. Im Jahre 1921 ist er mit seiner Frau ins Ausland emigrirt. Sie haben bis 1927 im Ausland, unter anderen in Peryia verweilt.
Lőrinc Szabó, war eine bedeutende Gestalt der Periode zwischen den beiden Weltkriegen, ist oft in Italien herumgekommen.
Eine andere bedeutende Gestalt der zweitem Hälfte des XX. Jahrhunderts war István Vas. Er hat im Jahre 1947 ein längeres römisches Stipendium bekommen. Der anschaulichste Ausdruck seiner römischen Erfahrungen ist ein Gedicht: ,,Das Grab von Nicolaus Cusarnus.”. Der Dichter erklärt in diesem Gedicht, dass man die gegensätzlichen Dinge beschwichtigen sollte.
,,Jetzt bist du hier in Rom, in San Pietro
In Vincoli, unter der Marmortafel.
Cusanus, du liegst hier seit fünfhundert Jahren;
Und der kühne Strahl deiner Kraft findet durch
die Marmortafel den Treffpunkt
Der neuen und neuen Gegensätze.”
(Das Grab von Nicolaus Cusanus)
István Vas konnte im Jahre 1959 nach Italien zurück kehren.
Die Ruinen von Rom haben die Phantasie der Künstler in Bewegung gesetzt. Die Ruinen, die die vieltausendjährigen Überlieferungen am anschaulichtsten ausdrücken – zeigen auch das Wesen der Stetigkeit. Im Jahr 1947 haben nicht nur István Vas und Sándor Weöres, sondern auch seine Frau Anny Károlyí und János Pilinszky ein Stipendium nach Rom gewonnen.
István Genthon war in den vierziger Jahren die hervorragendeste Gestalt des ungarischen geistigen Lebens. Er hat Rom geliebt, wie nur ein Kunstliebhaber es lieben kann. Er war zum ersten Mal in Rom, als er Student war, und später hat er das römisches Stipendium mehrmals gewonnen. Von 1940 bis 1943 war er der Direktor der Römischen Ungarischen Akademie, so konnte er die ewige Stadt so gründlich kennen lernen wie nur wenige Ungarn.
Er war nicht nur der Experte der Denkmäler und der Geschichte, sondern er konnte auch einen guten Kontakt mit dem alltäglichen Leben und mit den Menschen knüpfen.