cimer_batthyany1.jpg (96549 byte) Italienische Musik

 

Den Einfluss der italienischen Musik können wir schon im Mittelalter wahrnehmen. Die nach dem nach Papst Gregor benannte GREGORIANISCHE Kirchenmusik, die auch die von den Mönchen gesungenen Psalter und Hymnen sowie die musikalischen Teile der Messe beinhaltet, ist in mehreren ungarischen Kodexen zu finden, zum Beispiel im Budaer Psalter und in der Bakócz-Gradualen.

Im 14. Jahrhundert hat sich in Italien ein sehr reiches musikalisches Leben entwickelt. Einer der berühmtesten Vertreter der Renaissance- Musik war OLANDO DI LASSO (1532-1594). Zu seinen Werken zählen hauptsächlich religiöse Madrigale, die auch heute bei Chören und Kammerchören beliebt sind. Es gibt kein Chorfestival, wo nicht wenigstens einmal die berühmte Söldner-Serenade erklingt.

In Ungarn war zu dieser Zeit natürlich der Hof von König Matthias die Hofburg der Musik. PIERO BONO (1417-1497) kam aus Ferrara nach Buda. Er war ein Lautenspieler, der auch gerne Tanzstücke komponierte. JOANNES DE TINCTORIS war einer der berühmtesten Musikkritiker seiner Zeit, hat zwar ungarischen Boden nicht betreten, aber er war der musikalische Erzieher von Beatrix und hat mehrere seiner Werke der späteren ungarischen Königin gewidmet. GIOVANNI PIERLUIGI DA PALESTRINA (1526-1594) war der Höhepunkt der reinen gesungenen Musik. Auch heute ist er Lehrstoff für die Studenten an der Musikakademie als Vorbild für die strenge, viele Gesetze berücksichtigende und trotzdem phantasiereiche Komposition.

Die Barock-Musik war das Zeitalter der Hegemonie der italienischen Musik. Sie ist grundlegend italienisch und so ist es kein Wunder, dass sie sehr ausdrucksvoll und für die Bühne geeignet ist. Bahnbrechend für das Zeitalter der Renaissance und des Barock war CLAUDIO MONTEVERDI (1567-1643). Die ersten Kompositionen von ihm erschienen, als er 15 Jahre alt war. Er hat 9 Bände Madrigale geschrieben, von denen heute noch viele in Konzerten oder auf Chorfestivalen erklingen. 1590 war er in Esztergom, weil er den Herzog auf einem Feldzug gegen die Türken begleitete. Mit seinem Namen ist auch das erste Meisterstück der Opernliterartur, Orfeo verbunden. Unter seinen späten Opern sind Das Duell von Tankred und Klorinda und Die Krönung von Popea am berühmtesten und zum Glück auch heute noch hörbar. ARCANGELO CORELLI war ein virtuoser Geiger und gleichzeitig auch ein sehr wirkungsvoller Komponist. Obwohl er nur wenige Werke geschrieben hat, hat er einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Concertos gehabt. Wer kennt nicht sein Werk La Folia ? Der Vater von DOMENCIO SCARLATTI (1658-1757) Alessandro Scarlatti war ebenfalls Komponist. Mit seinem Namen ist die Form der klassischen Sonate verbunden. Mehr als 500 von ihm geschriebene Sonaten bereiten den kleinen und großen Schülern der Musikschulen auch heute noch schwierige Stunden. Béla Bartók hat seine Musik besonders geliebt, seine Scarlatti-Aufnahmen sind auch auf eine Schallplatte aufgenommen. ANTONIO VIVALDI (1678-1741) war ebenfalls ein großer Geigenvirtuose und Komponist.Er hat wunderbare Solokonzerte geschrieben. Zurecht bekam er den Titel „wirkungsvollster Komponist”. Denken wir nur an die Vier Jahreszeiten ! Seine Werke sind nicht selten und nicht zufällig Zugaben in den Konzerten!

Das XIX. Jahrhundert ist das Zeitalter der Romatik. Wer um 1820 geboren wurde, für den sind Kerzenlicht und Pferdekutsche selbstverständlich. Mit 60 konnte er schon mit der Eisenbahn oder dem Automobil reisen, konnte die Wohnung mit Elektrizität beleuchten und und Edisons Fonograf hören. Von Westen nach Osten wurde nacheinander die bürgerlichen Demokratien geboren. Die Musik wurde eine öffentliche , für jeden mit Geld bezahlbare Kunst. Von hieran rechnen wir die Entwicklung des uns bekannten Musiklebens, dass in gnz Europa zu einem einheitlichen Netz wird.

Die Romatik beginnt mit NICCOLO PAGANINI (1782-1840). Er war Komponist und Geigenvirtuose mit magischer Zauberkraft. Nicht zufällig nannte man ihn dn Teufel der Geige. Schon zu Lebzeiten wurde er der Inbegriff des romantischen Künstlertyps. Seine Wirkung auf FRANZ LISZT (1811-1886) war außerordentlich groß. Liszt durchlebte bei ihrem Treffen gerade eine schwierige Phase seiner Jugend. Der junge Liszt stand wie verzaubert vor Paganini, der dessen virtuose Wirkung weit über alles hinaus ging, was ein Künstler je erreicht hatte. Es war schwer, an sein Geheimnis heran zu kommen, denn zu seinen Lebzeiten ist keine einzige Komposition erschienen. In Franz Liszt traf er auf einen Menschen, der alle Werke von Paganini nach dem Gehör rekonstruierte. Ein wichtiges Geheimnis der italienischen Meisters war die scordatura, eine spezielle Umstimmung der Töne, mit der der Spielraum des Streichinstruments erweitert wude. Liszt baute seinen Klavierstil darauf auf, in seiner Hand wurde das Instrument zu einem wahrhaftigen Orchester. Paganini hatte eine grosse Wirkung auf das Leben von Franz Liszt und auch Italien an sich beeinflusste seine Kunst. Seine Hochzeitsreise wurde ein langer vierjähriger Ausflug, in dieser Zeit besuchte er Venedig, Florenz, Mailand und Rom. Zu dieser Zeit kam sein wunderbarer Klavierzyklus”Wanderjahre” zu Stande, in dessen Italien-Anhang wir ein dreiteiliges Stück mit dem Titel” Venedig und Neapel” finden, zu dem ihn die italienischen melodien inspiriert haben. Die Rigoletto-Paraphrase ist in Anlehnung an Verdis Meisterwerk entstanden.

Im XIX. Jarhundert begann die Oper ihren Eroberungszug. GIOACCINO ROSSINI (1792-1868) begann im Alter von 15 Jahren mit dem Komponieren. Er hat zahlreiche Werke auf dem Gebiet der oera buffa (lustige Oper) und der opera seria (ernste Oper) komponiert. Die berühmsteste unter ihnen „Der Babier von Sevilla” wird auch heute noch oft auf den Opernbühnen aufgeführt, aber auch in den Konzertsälen erklingen Werke von Rossini wie z. B. „Die diebische Elster” oder die Overtüre zu „ Wilhelm Tell.”

Für GAETANO DONIZETTI (1797-1848) ist die spielerische Leichtigkeit charakteristisch, unter seinen Opern werden in Ungarn „der Liebestrank” und „Lammermoori Lucia” am meisten aufgeführt.

Der Name VICENZO BELLINI (1801-1835) erinnert uns an einen leichten, empfindsamen Stil an „Norma”.

GIUSEPPE VERDI ( 1813-1901) ist das Sinnbild des italienischen Kampfes für Einheit und Freiheit. Die erste in ungarischer Sprache aufgeführte Oper war 1847 Nabucco. Wer kennt nicht den berühmten Freiheitschor „ Va, pensiero”, der als Hymne der nationalen Unabhängigkeit berühmt wurde. Das Pester Publikum konnte 1846 zum ersten Mal eine Verdi-Oper sehen.. Eine italienische Wandergruppe spielte im Nationaltheater Ernani und Nabucco mit großem Erfolg. Von da an konnte man ziemlich alle bedeutenden Werke Verdis in Ungarn sehen. Aida zum Beispiel war 1875 , vier Jahre nach der der Uraufführung, auf der Bühne zu sehen, Otello kam noch im Jahre der Uraufführung 1887 zur Erstaufführung. Diese Erstaufführung erfolgte nicht im Nationaltheater, sondern in der inzwischen eröffneten Oper. Seitdem gehören Rigoletto, La Traviata, Der Trubadur, Macbeth, Simon Boccanegra, Die Macht des Schicksals, Don Carlos, Ein Maskenball und Aida zum ständigen Repertoire. In seinen späten Lebensjahren komponierte Verdi eine der ergreifendsten Tragödien der Musikgeschichte, den Otello und eines der der entzückendsten Lustspiele, den Falstaff

GIACOMO PUCCINI (1858-1924) gehört zu den bedeutesten und bekanntesten Opernkomponisten seiner Zeit. Er besaß zwar nicht die Tiefe von Verdis Genius und seine Musik war nicht immer so leicht zu verstehen. Die Uraufführungen in seiner Heimat waren oft mt Skandalen verbunden. Nicht nur einmal wurden seine Opern nach ihren Aufführungen in Budapest weltberühmt. Zum Glück können wir seine Opern Manon Lescaut, La Bohéme, Madam Butterfly, Tosca und Turandot auch heute noch überall hören.

FERENC ERKEL ( 1810-1893) war der Begründer der ungarischen Nationaloper. In seinen Werken kamen in erster Linie die Formen und die musikalischen Mittel der italienischen Opern zum Ausdruck. Die Struktur der italienischen Oper ist auch in seinen beiden berühmtesten Werken Hunyadi László und Bank Bán zu finden, in diesen Werken drückt der Komponist die Sehnsucht nach einer einheitlichen Nation und der Befreiungsbewegung aus.

Es ist nicht leicht, noch einmal die Gattung Oper zu verlassen aber wegen OTTORINO RESPIGHI ( 1879-1936) müssen wir es doch noch einmal tun, denn sein Name ist gleich zweimal mit der ungarischen Kultur verbunden. In seiner Musik führt er die sinfonischen Traditionen von Liszt mit seinen impressionistischen Farben zusammen. Hierbei denken wir an seine berühmtesten beiden sinfonischen Dichtungen, Die Brunnen von Rom und Die Tannen von Rom. Von 1929-1931 hat Ferenc Farkas bei ihm Komposition gelernt.

Nach dem zweiten Weltkrieg stand bei der Komponistengeneration die Dodekafonie im Mittelpunkt. Einer der bedeutendsten italienischen Komponisten, der Dodekafonie anwendete, war LUIGI DALLAPICCOLA. Auf seinen Spuen ging auch LUCIANO BERIO, ein international anerkannter Vertreter der Avantgarde, der mit zahlreichen Werken richtungsweisend zur Entwicklung der elektronischen und neuesten vokalen Musik. Mit dem Namen LUIGI NONO ist die erste Oper der neuen musikalischen Avantgarde verbunden ,Die Intolleranz. Ab 1963 hat er sich ausschließlich mit elektronischer Musik befasst. GOFFREDO PETRASSI hat die ungarische Musikkultur sehr viel zu verdanken. Er war Komponist und Musikhistoriker und ein bedeutender Lehrer in seiner Generation. An seiner römischen Komponisten-Meisterschule Accademia di Santa Cecilia lernten unter anderem auch András Szőllősy, Zsolt Durkó und Zoltán Jeney.

Das ungarische Musikleben der letzten Jahrzehnte hat einigen bedeutenden Dirigenten sehr viel zu verdanken. Das künstlerische Vorbild von SERGIO FAILONI war Toscanini, dessen Assistent er später auch wurde. So ist es kein Wunder, wenn sein Dirigieren durch Einfühlsamkeit und Temperament gekennzeichnet war. Er war ab 1928 in Budapest, wo er ständiges Mitglied des Opernhauses und leitender Kapellmeister wurde. Bei der Gearusbildung der ungarischen Opernlebens hat er sich unvergängliche Verdienste erworben. In erster Linie studierte er Werke von Puccini und Verdi ein und trug durch sein Dirigieren zur Entwicklung von zahlreichen Sängern und Instrumentalisten bei. Bartók und Kodály waren begeisterte Anhänger von ihm. Seine ungarische Ehefrau war in der Konzertagentur tätig und ihr ist es zu verdanken, dass das ungarische Publikum das Gastspiel von CLAUDIO ABBADO oder RICCADO MUTI miterleben durfte. LAMBERTO GARDELLI ist seit 1961 regelmäßiger Gast an der Budapester Oper, er ist der Dirigent vieler Neuaufführungen und der ungarischen Uraufführung von Verdis Attila. Unter seinen Plattenaufnahmen haben die frühen Verdi-Opern besondere Bedeutung. Es muss noch der Name GIUSEPPE PATANE erwähnt werden, dem das Budapester Publikum mehrer Opern- Neuuafführungen zu verdanken hat., er war auch der musikalische Leiter der Hungaraoton-Schallplatten ebenso wie RICO SACCANI, der auch gegenwärtig das Orchester der Philharmonie dirigiert.

Es ist eine mehr als 10-jährige Tradition, dass die Aufnahmen von sinfonischen Werken und Opern, die einen großen technischen Apparat benötigen, im Großen Saal des Italienischen Kulturinstituts aufgenommen werden.

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft und somit auch auf das Programm des Budapester Frühlings-Festivals! Am 16. März können wir Vivaldis Konzert für vier Violinen hören. Am 17. März dirigiert RICO SACCANI das Orchster der Philhrmonie. Am 29. März erklingen neben Liedern aus Neapel auch Szenen aus Opern von Rossini. In der ungarischen Staatsoper gibt es neben den Aufführungen von Verdid Traviata und Otello auch eine Aufführung von Monteverdis Die Heimkehr des Odysseus in der Budapester Kammeroper.